Allgemeine Infos
Aus Teneriffa
Der Flughafen von El Hierro ist winzig, die Hauptstadt Valverde nicht viel mehr als ein verschlafenes Dorf, das Wetter im Hochland hat seine Tücken - warum also El Hierro? Wer hier urlaubt, sucht die etwas andere Ferieninsel: rauhe Natur, Einsamkeit, Individualismus. Der Nordwesten wird vom Halbkrater El Golfo eingenommen, der mit seinen mehr als 1000 m hohen Kraterrändern wie ein riesiges Amphitheater wirkt. Das fruchtbare Tal ist der Obstgarten der Insel, mit Papayas, Bananen und Ananas. Fixpunkt von Frontera, dem Hauptort im Golfo, ist der Turm der Kirche Virgin de Candelaria. Ein langes Seil soll die Glocken früher direkt mit dem Schlafzimmer des Pfarrers verbunden haben. Einen Besuch wert ist das kürzlich angelegte Museumsdorf Guinea. Die schwarzen Katen aus mörtellosem Mauerwerk fügen sich harmonisch in die Landschaft. In einem Terrarium lebt hier einer der Stars der an sich unspektakulären Kanaren-Tierwelt: der Lagarto Gigante - eine Riesenechse. Die Riesenechsen galten seit 50 Jahren als ausgestorben, bis 1975 eine Unterart wieder entdeckt wurde. Es gelang, fünf Exemplare zu fangen und sie nachzuzüchten. Im vulkanisch geprägten Süden bietet das Fischerdorf La Restinga ein sonnensicheres Klima. Unter Tauchern hochgeschätzt ist das Riff vor La Restinga mit dem Tauchplatz El Bajon.
Alle vier Jahre wird auf El Hierro die spektakuläre Fiesta Bajada de la Virgen de los Reyes gefeiert. Von einer Einsiedelei im westlichen Hochland tragen die Einheimischen eine Madonnenfigur in einer Sänfte einmal quer über die Insel. In aller Herrgottsfrühe zieht eine von Trommeln und Flöten begleitete Prozession nach Valverde - 28 km zu Fuß (!!!), eine lange und anstrengende Strecke. Die ganze Insel ist dann auf den Beinen, dazu kommen Zehntausende ausgewanderte Herreños von den Nachbarinseln und von Südamerika in die Heimat zurück. Für sie ist die Fiesta Bajada der Anlaß, um alte Freunde und Verwandte wieder zu treffen. Turbulent und ausgelassen feiert man die Madonna, El Hierro und sich selbst, und das ganze vier Wochen lang. Auf den ersten Blick zeigt sich die Insel steinig und trocken, wenn der Besucher sich ihr mit der Fähre nähert, welche im Hafen La Estaca anlegt. Wer weiße Sandstrände erwartet oder durchorganisierten Touristenservice mit Ausflugsprogrammen, der ist auf El Hierro falsch. Die Insel ist etwas für Leute, die die Gestaltung ihrer Ferien selbst in die Hand nehmen und den sogenannten Land- oder Ruraltourismus vorziehen. Übrigens: Wer glaubt, in kürzester Zeit alle Winkel und Sehenswürdigkeiten der Mini-Inseln abklappern zu können, irrt sich. Ein mehrtägiger Aufenthalt ist auf jeden Fall zu empfehlen, um El Hierro richtig erkunden zu können!
Die etwa 10.000 Einwohner der Insel leben in den beiden Verwaltungsbezirken Valverde (auch Inselhauptstadt) und Frontera, wo jeder jeden kennt und Herzlichkeit und Gastfreundschaft noch selbstverständlich sind. Die Isolation von El Hierro (bis 1972), - es gab es nur einmal wöchentlich eine Fährverbindung – hat im Gegensatz zu den übrigen Inseln des Archipels zu einer rückläufigen Entwicklung der Einwohnerzahl geführt. Da sie keine Existenzmöglichkeiten hatten, mussten viele Herreños auswandern, auf die größeren Inseln Teneriffa und Gran Canaria, auf das Festland oder nach Lateinamerika. Die verbesserten Verkehrsverbindungen – seit 1972 gibt es einen Flughafen, der mehrmals täglich von Teneriffa aus angeflogen wird und auch bessere Fährverbindungen – haben auch zu einem gewissen, wenn auch nur geringen, wirtschaftlichen Wachstum geführt. Der Obstanbau, insbesondere Bananen, Ananas und die Weinerzeugung – Weine aus El Hierro konnten bereits internationale Auszeichnungen gewinnen – spielen dabei eine große Rolle. Und auch der Tourismus hat, wenn auch in bescheidenem Rahmen, inzwischen auf der Insel Fuß gefasst.
El Hierro erreicht man per Flugzeug (ca. 45 Minuten ab Teneriffa-Nordflughafen) oder mit den Fähren von Fred.Olsen (Tel. 902 100 107) und Naviera Armas (Tel. 902 456 500).
Flugverbindungen von Teneriffa-Nord aus mit der regionalen Fluggesellschaft Binter Canarias: tägl. 8.00 Uhr u. 16.30 Uhr, Mo-Do 15.00 Uhr, Sa 15.30 Uhr, Fr+So 14.10 Uhr.
Von El Hierro nach Teneriffa-Nord: tägl. 9.10 Uhr, Mo-Do 16.10 Uhr, Fr+So 15.20 Uhr u. 17.30 Uhr, Sa 16.40 Uhr, Mo-Do+Sa 17.40 Uhr. Am Flughafen von El Hierro gibt es eine Autovermietung und einen Touristeninformationspunkt.
