Cesar Manrique
Aus Teneriffa
Der geliebte Sohn Lanzarotes „César Manrique“
Die Kanarischen Insel haben seit je her immer wieder Menschen angezogen, die sich durch die Vielfalt der Natur und des Klimas faszinieren ließen, und mit Ihrer ganzen Kraft an Kunstwerken, die die Natur hervorbringt, gearbeitet haben. Wenn wir verstehen wollen, was die Insel Lanzarote heute darstellt, müssen wir auf das Werk César Manriques und seine Haltung zu Lebzeiten zurückgreifen. Bei Manriques Kreationen in der Landschaft, die auf der „Symbiose Kunst-Natur / Natur-Kunst" - wie es der Künstler nannte - basieren, sind sowohl die Dominanz einer auf traditionellen Richtlinien basierenden Architektur als auch die Pflege der Natur klar ersichtlich.
Manrique verstand Kunst als enge harmonische Verbindung zwischen Mensch und Natur. Die Assoziation „Aschehaufen und Trümmerfeld", die viele Touristen mit der Kargheit der Vulkaninsel Lanzarote verbinden, hatte Manrique Zeit seines Lebens mißfallen. Er empfand seine Heimat als wilde und lebendige Naturschönheit, die er zur touristischen Besonderheit umgestalten wollte. Manrique entwarf mehrere Touristenattraktionen für Lanzarote und die benachbarten Inseln. So auch bei uns auf Teneriffa, den „Lago Martiánez“ in Puerto de la Cruz und das „Hotel Playa Sur Tenerife“ in El Medano. Hauptmerkmal seiner architektonischen Kunst ist die Integration von Felsen, Stein und erstarrten Lavaströmen in einen harmonischen Wohn- und Lebensraum. Er nutzte die unbearbeiteten Naturmaterialien häufig im Kontrast mit runden, weichen, von Hand gestalteten Formen. Oft sind die Farben Schwarz und Grau (Lavagestein) und Weiß (Kalk und Lack) zu finden.
Die Atmosphäre dieser Kunsträume ist meistens mit sinnlicher meditativer Musik untermalt, so daß der Besuch seiner Attraktionen zu einem Wahrnehmungsgenuß werden kann. Außerhalb der Räume verstand es Manrique immer wieder, auch auf Verkehrsinseln mit großen Windspielen zu überraschen, die der rauhe Passatwind bewegt. Manrique verstand sich selbst zuerst als Maler. Ihm wird in der spanischen Bewegung der abstrakten Kunst eine Pionierrolle zugeschrieben, und er wurde als Vorreiter des Surrealismus begriffen. Die Einfachheit und Klarheit seiner Gemälde sowie seiner architektonischen Werke greifen immer wieder die Symbiose von Mensch und Natur auf, und veranschaulicht auf unterschiedlichste Weise die Naturschönheiten. Er beläßt die Natur, wie sie ist, und versucht nur, ihre Schönheit künstlerisch einzurahmen, um sie hervorzuheben und um andere Menschen an ihr zu erfreuen.
Das Zitat Manriques „Mit absoluter Freiheit zu schöpfen, ohne Ängste und Rezepte, tröstet die Seele und öffnet einen Weg für die Freude, zu leben“, verdeutlichte seine Lebensfreude und seine Haltung, kompromisslos das zu leben und umzusetzen, was er dachte.Das Ergebnis dieses Gedankens ist bis heute die Insel Lanzarote: ein einmaliges Beispiel für die harmonische Beziehung zwischen Fortschritt und Erhaltung natürlicher und kultureller Werte.
Wer war der Künstler César Manrique?
Manrique wurde am 24. April 1919 in Arrecife auf Lanzarote geboren.Er verbrachte die Sommerurlaube mit der Familie im Nordwesten Lanzarotes in Famára, einem kleinen Fischerdorf. Die dortige Steilküste und die schnell sich ändernden Wetterlagen, mit ihrem wechselnden Farbenspiel auf den Felsen, beeindruckten ihn in seiner Jugend schon sehr. Er machte an der Universität von La Laguna auf Teneriffa seinen Abschluß als Stadtbaumeister und ging anschließend nach Madrid, um dort an der Schule für schöne Künste sein Diplom zu machen. Mit 23 Jahren hatte er seine erste Ausstellung in Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes. 1945 besuchte er die Schule der Schönen Künste „San Fernando" in Madrid und erhielt fünf Jahre später seinen Meistertitel. 1953 ging der von Picasso faszinierte Künstler zur abstrakten Malerei über. Nach einer Ausstellung im folgenden Jahr stellte sich der Erfolg ein. Manrique vertrat sein Land bei der Bienale in Venedig und erhielt danach öffentliche Aufträge, die ihm auch finanziellen Erfolg brachten.
Wenige Jahre später ging er nach dem Tod seiner Lebensgefährtin nach New York. Sein Ansehen verstärkte sich durch erfolgreiche Austellungen. 1954 wurde Manrique mit anderen gleichgesinnten Künstlern zusammen Vorreiter des Surrealismus. Er eröffnete Spaniens erste nicht-gegenständliche Kunstgalerie „Fernando Fé" in Madrid. 1964 lädt Nelson Rockefeller den Künstler zu sich in die USA ein, wo er in Houston und New York in der Galerie „Catherine Viviano" eine vierjährige Ausstellung hatte.
Zurück auf Lanzarote, entschließt Manrique sich, seine Heimatinsel in einen der schönsten Plätze der Welt zu verwandeln. Für diesen Plan konnte er Pepin Ramírez, einen alten Freund der Familie, der inzwischen Präsident der Inselregierung war, gewinnen. Der Plan beinhaltete, nur die traditionelle Bauweise Lanzarotes zuzulassen, auf mehr als zweistöckige Bauwerke zu verzichten, und sogar alle Werbeplakate von den Straßen der Insel zu entfernen. 1968 sprach die Regierung sogar ein Verbot für Reklameanhäufungen aus. Manrique fuhr selbst über die Insel, um die Bevölkerung vom lanzarotenischen Architekturstil zu überzeugen. Gemeinsam mit dem Künstler und Freund Luis Ibañez kaufte er ein altes Haus in Yaiza, eines der 3 nach den Vulkanausbrüchen von 1730 - 1736 stehengebliebenen Häusern. Zuerst wollte er es als Atelier verwenden, doch 1970 baute er es in das Restaurant „La Era" um.
Auf einem Ausflug in Tahíche entdeckte Manrique 1970 einen Feigenbaum, dessen grüne Spitze aus dem erstarrten schwarzen Lavastrom herausragte. Er entschloss sich, an dieser Stelle sein Wohnhaus zu errichten. Die Besitzer des Landes wollten keine Bezahlung, da sie es für wertlos hielten, und bitten Manrique sogar, sich so viel Land zu nehmen, wie er brauchte. Der Künstler stellte beim Bau des Hauses insgesamt 5 Lavablasen fest, die er ausbaute, und zu verschiedenen Wohnräumen umgestaltete. 1974 eröffnete Manrique das Mehrzweckkulturzentrum „El Almacén" in Arrecife, das einen internationalen Treffpunkt für Kunstinteressierte darstellen sollte. Die Kunstgalerie „El Aljibe" sollte Künstlern die Möglichkeit bieten, ihre Werke erstmals auf Lanzarote auszustellen.
1989 zog er um in sein Haus in Haría. Das ehemalige Wohnhaus in Tahiche wurde dann im März 1992 der Öffentlichkeit als Stiftung (Fundación) übergeben. Nur wenige Monate später, am 25.09.1992 stirbt Manrique weniger als 50 Meter von seinem Museum entfernt bei einem Autounfall im Kreisverkehr. Er wurde auf dem Friedhof von Haria beerdigt.
Seine Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten waren zahlreich. So lernte er u.a. Rita Hayworth, König Hussein II von Jordanien, Bundeskanzler Helmut Kohl, Spaniens Premierminister Felípe González, Luis Ibañez, Andy Warhol, Barbara Rosse und Alfredo Kraus kennen.
Manrique war dafür verantwortlich, daß der Massentourismus auf Lanzarote noch nicht Einzug gehalten hat. Er setzte sich dafür ein, die landschaftliche und kulturelle Identität seiner Heimatinsel zu bewahren und zu erhalten, weshalb die Inselregierung ihn im September 1995 posthum zum „Bevorzugten Sohn" der Insel erklärte und damit ihren Dank für den Einsatz des Künstlers zum Ausdruck brachte. Gleichzeitig verpflichtete sich die Inselregierung, den Weg Manriques zukünftig weiter zu gehen.
Seine Werke
Lanzarote:Casa Museo del Campesino (Bauernhaus in typisch lanzarotenischer Architektur)
Casa Museo Monumento del Campesino (Denkmal zur Ehrung der Bauern Lanzarotes, die entdeckten, dass Lavakörner porös sind, und mit ihnen der Tau zur Bewässerung der Felder aufgesogen werden kann)
Mirador del Río (1973 erbaut, Aussichtspunkt an einer Steilküste, mit Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa),
Jameos del Agua (Konzertsaal mit Sitzplätzen für 600 Personen in einer Lavahöhle; eine Lagune innerhalb einer Lavagrotte beherbergt eine blinde Albinokrebs-Art, die eigentlich nur in Tiefen von 2000 m am Ozeangrund leben),
Jardin de Cactus (Kakteengarten mit mehr als 1100 verschiedenen Kakteenarten im Dorf Guatiza innerhalb eines aufgelassenen Steinbruchs)
Taro de Tahíche (in 5 Lavablasen erbautes Wohnhaus Manriques, in dem sich heute die Fundacíon César Manrique befindet, eine Kunststiftung, die zahlreiche Werke des Künstlers und Werke von Picásso, Miró, Tapiés, Soto und Zobel beherbergt)
El Diablo (Restaurant im Nationalpark von Timanfaya, inmitten der aktiven Vulkane, die auch Montañas del Fuego (Feuerberge) genannt werden, mit Grillplatz über einer Vulkankluft)
Museo Internacional de Arte Contemporaneo (Museum der zeitgenössischen Kunst, im Castillo de San José, das Gemälde von Miró, Millares, Mompó, Oscar Dominguez, Gerardo Rueda, Eusebio Sempérez, Augustín Cárdena und Manrique selbst beherbergt)
El Almacén (ehemalige Mehrzweckkulturzentrum in Arrecife, heute Kulturabteilung der Inselregierung)
Garten und Schwimmbadanlage des 5-Sterne-Hotels Los Salinas in Costa Teguise El Triunfador (1990 in der Nähe der Fundacion César Manrique, Skulptur)
Juguetes del Viento (1992, Arrieta, Windspiel)
Außerhalb Lanzarotes: Lago Martiánez in Puerto de la Cruz (1969, Meerwasserbecken, das an dieser Küste das Baden erst möglich machte)
La Vaguada (1983, Einkaufszentrum in Madrid)
Weltallflaggen für das astrophysikalische Zentrum „Roque de los Muchachos" auf La Palma (1985)
La Peña (1989, Aussichtspunkt auf El Hierro)
Mirador del Palmerejeo (1989, Aussichtspunkt auf La Gomera)
