Flora und Fauna
Aus Teneriffa
Makaronesien oder Makaronesiche Region ist der Name, mit dem die Gesamtheit von fünf Inselgruppen in der zentralen östlichen Zone des Nordatlantiks bezeichnet wird: diese Archipele sind das der Azoren, Madeira, die Wilden Inseln, die Kanarischen Inseln und Kapverden. Der Kanarische Archipel ist derjenige, der den größten Reichtum an Flora in der ganzen Makaronesichen Region aufweist. Außerdem liegt er an vierter Stelle auf der Welt, was endemische Flora betrifft, denn es gibt dort etwa 1700 katalogisierte höhere Pflanzen, von denen ungefähr 20 Gattungen und über 500 Arten bodenständig sind. Laut Angaben vom März 1994 des ehemaligen C.E.I.C. (Centro Ecológico de Icona en Canarias – Ökologisches Zentrum des spanischen Naturschutzinstituts auf den Kanarischen Inseln) gibt es in Spanien insgesamt 1919 Spezies, von denen 502 kanarische Endemiten sind.
Was die Fauna angeht, so existieren auf den Kanarischen Inseln mehr als 6000 Arten von Invertebraten und 109 von Vertebraten, wobei 20 der letztere eingeführt wurden. Die Fläche der Insel Teneriffa, der größten des Kanarischen Archipels, ist zwar beschränkt und beträgt nur 2034 Quadratkilometer, aber trotzdem ist dort eine überraschende ökologische Vielseitigkeit zu finden. Das ist zurückzuführen auf die besonderen Umweltbedingungen, die da herrschen, bedingt durch das zerklüftete Relief des Geländes, welches die allgemeinen klimatischen Gegebenheiten lokal verändert und so total unterschiedliche Mikroklimate schafft. Diese vielfältigen Mikroklimate und die demzufolge entstehenden natürlichen Habitate spiegeln sich ganz deutlich in der Vegetation der Insel wider, die durch eine reiche, vielseitige Flora gebildet ist (1400 Arten höherer Pflanzen), von denen viele Endemiten der Kanarischen Inseln (200) und von Teneriffa (140) sind. Mit diesem Pflanzenreichtum von etwa 140 exklusiven Arten weist die Insel Teneriffa die meisten bodenständigen Spezies von ganz Makaronesien auf. Andererseits sind die verschiedenartigen vulkanischen Materialien, kombiniert mit den Klimaeinflüssen, auch die Grundlage für eine Bodenbeschaffenheit, die außerordentlich verschiedenartig gestaltet ist. Die Verbindung dieser diversen Faktoren führt so zu der Entstehung sehr unterschiedlicher Habitate, wo zahlreiche Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren zuhause sind, die, mit ihren Interaktionen, die einzigartigen Ökosysteme von Teneriffa bilden. Die Vegetation von Teneriffa ist in 6 große Ökosysteme aufgeteilt, die in direktem Zusammenhang mit der Höhe und der Nord-Süd Ausrichtung der Seiten der Insel stehen:
Gelände der Wolfsmilchgewächse: 0 – 700 Meter. Xerophiles, gut an die Trockenheit, die intensive Sonneneinstrahlung und die starken Winde der Zone angepaßtes Dickicht. Zahlreiche Endemiten. Balsa-Wolfsmilch, Kandelaber-Wolfsmilch, braunblütige Fensterpflanze...Flora. Die niedrigeren Höhenlagen von Teneriffa kennzeichnen sich, klimatisch gesehen, dadurch, dass sie Perioden großer Sonneneinstrahlung, geringe Niederschläge und mittlere Luftfeuchtigkeit aufweisen. Unter diesen Bedingungen wächst, auf normalerweise armen Böden, eine Pflanzengemeinschaft, die als Wolfsmilchgewächse bekannt ist, und wo die Kandelaber-Wolfsmilch (Euphorbia canariense) und verschiedene Arten von Balsam-Wolfsmilch ihre Hauptentfaltung finden. Neben diesen Spezies gibt es hier auch andere Endemiten, von denen einige ausgezeichnete Beispiele für die Entwicklung auf einem Inselgebiet sind, wie zum Beispiel der Hauswurz (Aeonium), der zahlreiche verschiedenartige Formen annimmt. Ein weiteres interessantes bodenständiges Exemplar ist die braunblütige Fensterpflanze (Ceropegia fusca). Fauna. Was die Fauna betrifft, so ist anzugeben, dass dieses Ökosystem arm an Wirbeltieren ist, wennschon einige Arten von Reptilien und Vögeln zu verzeichnen sind. Die Insekten jedoch sind sehr gut vertreten, und häufig sind Endemiten anzutreffen, die an Kandelaber-Wolfsmilch und Balsam-Wolfsmilch gebunden sind.
Thermophile Wälder: 200 – 600 Meter. Übergangszone. Gemäßigte Regenfälle und Temperaturen. Durch die menschliche Hand geschädigte Zone. Zahlreiche endemische Spezies. Phönizischer Sadebaum, Drachenbaum, Palme...Flora. Die Übergangszone zwischen dem Gelände der Wolfsmilchgewächse und der Bergetage befindet sich direkt unterhalb des Wolkenmeers, und unterliegt somit einer größeren Feuchtigkeit, geringerer Sonneneinstrahlung und etwas milderen Temperaturen als die niedrigen Zonen. Diese Umweltbedingungen begünstigen eine Art von Wald, der aus einigen wenigen Baumspezies besteht, und so gibt es hier aus Palmen, Phönizischen Sadelbäumen, Mastixsträuchern, wilden Ölbäumen, usw. bestehende Wälder. Unter den am häufigsten erscheinenden Pflanzen befinden sich der Drachenbaum, der Atlantische Mastixbaum, der Kanaren-Maytenus, usw., neben denen zahlreiche weitere interessante endemische Kleinsträucher und Gräser wachsen: Kanaren-Maytenus (Maytenus canariensis), Strauch-Winde (Convolvus floridus), gekerbtblättriger Kreuzdorn (Rhamnus crenulata), ahornblättrige Strauchpappel (Lavatera acerifolia), Aschenkraut (Senecio echinatus). Fauna. Diese Verschiedenheit macht sich auch unter den Invertebraten bemerkbar, bei denen Insekten und Spinnen vorherrschend sind. So ist in dieser Zone der Schmetterling Vanessa vulcania zu beobachten, und unter den Vertebraten sind ganz besonders einige insektenfressende Vögel zu nennen, wie die Sanftkopfgrasmücke und die Mönchsgrasmücke.
Lorbeerwald: 500 – 1000 Meter. Dichter Wald mit großen Bäumen, Nachfolger der Flora aus dem Zeitalter des Tertiärs, in einer Zone mit häufigem Nebel und Regen. Starke Vielfalt an Arten, mit üppigem Unterholz aus Büschen, Gräsern und Farn. Lorbeerbaum, Kanaren-Stechpalme, wilder Avocadobaum, Kanarisches Ebenholz...Flora. Der Lorbeerwald ist eine Art von subtropischem Wald, der sich klimatisch durch hohe Feuchtigkeit und relativ gleichbleibende Temperaturen auszeichnet. Der Lorbeerwald, welcher derzeit auf Teneriffa existiert, rührt von alten tertiären Wäldern des Mittelmeerraums her, die vor Millionen von Jahren verschwanden. Dieser Forst besteht, in seinem reinsten Zustand, aus etwa zwanzig verschiedenen Baumspezies, unterhalb von denen reichlich Farn, Moos und weitere für Schattenzonen typische Pflanzen wachsen. Die Familie der Lauraceae ist durch vier Arten vertreten: Den Lorbeerbaum (Laurus novocanariensis), den wilden Avocadobaum (Persea indica), die Linde (Ocotea foetens), das Kanarische Ebenholz (Apollonias barbujana). Es existieren da weitere Arten verschiedener Familien, wie die Kanaren-Stechpalme (Ilex canariensis), der Mocanbaum (Visnea mocanera), der "Palo blanco" (Notolaea excelsa), usw. Fauna. Der Lorbeerwald ist das Ökosystem, das den größten Reichtum an wirbellosen Tieren, und dazu den höchsten Prozentsatz an Endemiten bietet. Die besonderen Feuchtigkeits- und Schattenbedingungen dort begünstigen die Entwicklung von Würmern, Weichtieren und Gliederfüßlern. Unter den Vertebraten ist die Gegenwart einiger Fledermäuse und einer guten Anzahl von Vögeln zu nennen, mit zwei bedeutenden Endemiten: die Lorbeertaube (Columba junoniae) und die Silbertaube (Columba bollii).
Heidebuschwald: 1000 – 1500 Meter. Trockenerer und ärmerer Wald, was Artenvielfalt betrifft. Tritt an die Stelle des Lorbeerwaldes, wenn dieser angegriffen ist. Sehr bedeutend, was Waldvorkommen angeht. Gagelbaum, Baumheide, Kanaren-Stechpalme...Flora. Der Heidebuschwald ist eine Formation, die ursprünglich oberhalb des Lorbeerwaldes wuchs, und diesen an den Stellen ersetzte, wo er angegriffen war. Er besteht hauptsächlich aus Gagelbaum (Myrica faya) und Baumheide (Erica arborea). In den lichteren und sonnigeren Zonen des Lorbeerwaldes wachsen üppig diverse Spezies kleinerer Pflanzen, von denen einige nicht nur einen offenkundigen ästhetischen und biologischen Wert besitzen, sondern auch medizinisches Interesse aufweisen, und außerdem anmutige Blüten haben, wie das der Fall für die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis), den Kanaren-Fingerhut (Isoplexis canariensis) und die Lorbeerwald-Winde (Convolvulus canariensis) ist.
Kiefernwald: 800 – 2000 Meter. In offener Formation wachsender Kiefernwald, mit wenig Unterholz und geringer Vielfältigkeit. Kanarische Kiefer, fädlicher Ginster, Zistrose...Flora. Oberhalb des Lorbeerwaldes wird die Luft trockener, die Sonneneinstrahlung nimmt zu, die Temperaturen im Laufe des Tages und in der verschiedenen Jahreszeiten sind weniger einförmig, und es kann im Winter sogar frieren und schneien. Unter diesen klimatischen Gegebenheiten entwickelt sich der Kiefernwald auf Teneriffa, wo er einen Landstreifen belegt, der bis in 2000 Meter Höhe reicht. Dieses Ökosystem ist ziemlich arm, was seine Flora angeht, und so besteht es fast ausschließlich aus einer einzigen Baumart, der Kanarischen Kiefer, sowie einigen wenigen Sträuchern und Gestrüpp, unter denen vor allem Baumheide und Gagelbaum, in den feuchteren Zonen, und fädlicher Ginster sowie Drüsenginster und Zistrose in den trockeneren Lagen zu nennen sind. Fauna. Auch die Fauna des Kiefernwaldes ist wenig abwechslungsreich. Es herrschen die Invertebrate vor, wenige auf dem Niveau des Bodens und mehr in den Kiefern, wo sie eine größere Vielfalt an Habitaten vorfinden. Die Vertebrate, ihrerseits, sind fast ausschließlich durch einige Vogelspezies vertreten, unter denen der Kanaren-Buchfink und der Buntspecht hervorstechen.
Hochgebirge: über 2000 Meter. Trockenes Klima, sehr starke Sonneneinstrahlung und extreme Temperaturen. Sehr gut angepaßte Flora. Schöne und wissenschaftlich außerordentlich bedeutenden Endemismen. Natternkopf, Teideginster, Teide-Veilchen...Flora. Ab 2000 Meter Höhe sind die klimatischen Bedingungen besonders hart, denn es herrschen hohe Sonneneinstrahlung, bedeutende Lufttrockenheit, extreme Temperaturen, starke Winde und im Winter Niederschläge in der Form von Schnee und Eis. All das hat eine offene, natürliche Vegetationsformation zur Folge. Die Hochgebirgspflanzen haben einen wulstigen Wuchs, der es ihnen, gemeinsam mit den langen Wurzeln und normalerweise kleinen, behaarten Blättern, ermöglicht, in dieser feindseligen Welt zu überleben. Zwei Hülsenfrüchtler sind in besonders großer Zahl vorhanden: der weiße Teideginster und der Drüsenginster. Neben ihnen wachsen viele andere Endemiten, deren herrliche Blüten im Frühjahr und Anfang des Sommers die höchsten Spitzen von Teneriffa schmücken. Fauna. Auch die wirbellosen Tiere sind sehr verschiedenartig und weisen einen großen Prozentsatz an Endemiten auf; zahlreich sind hier Käfer, Wanzen, Schmetterlinge, usw. vorhanden. Wirbeltiere dagegen gibt es nicht viele, und wenn, dann handelt es sich praktisch ausschließlich um einige wenige nistende Vögel und ein paar Fledermäuse.
Auch die Fauna der Insel ist sehr interessant, und es gibt eine große Anzahl von Endemiten unter den wirbellosen Tieren, sowie einzigartige Spezies unter den Reptilien, den Vögeln und den Säugetieren. Im Inventar der Fauna von Teneriffa wird beziffert, dass es 400 Arten von Fischen, 56 von Vögeln, 5 von Reptilien, 2 von Amphibien, 13 von Landsäugetieren und mehrere Tausende von Invertebraten gibt, und auch einige Spezies von Wasserschildkröten und von Walen. Auf Teneriffa nisten 56 Vogelarten, von denen 25 zur Ordnung der Sperlingsvögel und 31 zu den Nicht-Sperlingsvögeln gehören; es handelt sich demzufolge um die Insel des Archipels, auf der die größte Anzahl von Vögeln nistet. Trotzdem sind die Populationen klein, und zwei Spezies – roter Milan und roter Austernfischer – sind in den letzten Jahren ausgestorben, während viele andere, wie Fischadler, Berberfalke, Kolkrabe, usw. stark bedroht sind. Die Insel Teneriffa beherbergt drei der vier Endemiten der Kanarischen Inseln (Kanaren-Buchfink, Lorbeertaube, Silberhalstaube) und auch die drei endemischen Spezies von Makaronesien (Kanarienvogel, Inselpieper, Einfarbsegler). Außerdem haust die Unterart Dendrocopos major canariensis des Buntspechts ausschließlich auf dieser Insel, während andere Unterspezies auch auf weiteren Inseln heimisch sind.
Meerestiere
Die kanarische ichthyologische Fauna setzt sich aus Elementen des Atlantiks und des Mittelmeers, tropischen, subtropischen, kosmopolitischen und makaronesischen Fischen zusammen, was eine große Artenvielfalt mit sich zieht, deren Verteilung je nach Substrat oder Tiefe erfolgt. Die Fische, die auf felsigem Grund am häufigsten zu finden sind, sind: Seepapagei (Sparisoma cretense), brauner Zackenbarsch (Epinephelus guaza), "Abade" (Mycteroperca rubra), Goldstrieme (Sarpa sarpa), großer Geißbrasse (Diplodus sargus), Seeaal (Conger conger), Muränen (Muraena helena und Lycodontis spp.), "Cabrillas" (Serranus cabrilla und S. africauda), "Catalufa" (Priacanthus cruentatus), brauner Drachenkopf (Scorpaena spp.), "Alfonsiño" (Beryx splendens) und Wrackbarsch (Poliprion americanus). Auf einem Grund aus Sand und Stein erscheinen Rotbrassen und Sackbrassen (Dentex spp.), Meerbrassen (Sparus pagrus), Rotbrassen und Meerbrassen (Pagellus spp.), Marmorbrassen (Lithognathus mormyrus), Seekarausche (Spondyliosoma cantharus) und Adlerfisch (Argyrosomus regius). Auf Fango- und Sandgründe findet man gestreifte Meerbarbe (Mullus spp.), Stechrochen (Dasyatis pasticana), Zitterrochen (Torpedo spp.), "Angelotes" (Sguatina spp.), Streifenbarben (Mustelus mustelus und Galeorhinus gleus) und den kanarischen Seehecht (Mora moro). Das pelagische Ökosystem der Kanarischen Inseln weist ein Ozean- und ein Küstenpelagial auf. Im ersten erscheinen, mit starkem saisonbedingtem Charakter, typisch tropische Thunfische, wie der "Patudo" (Thunnus obesus), der "Rabil" (Thunnus albacares) und der echte Bonito (Katsuwonus pelamis), sowie andere in lauen Gewässern heimische, wie der rote Thunfisch und der weiße Thunfisch. An der Küste von Teneriffa sind noch marine Ökosysteme mit einer Großzahl von Endemiten erhalten geblieben. So verzeichnet man dort die Gegenwart von interessanten Schildkröten, wie die unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) und einer ständig anwesenden Kolonie von indischen Grindwalen (Pilotwalen) vor den Küsten des Südens. Diese Wale messen 6 bis 8 Meter und wiegen 800 bis 3000 Kilos, und sie bilden soziale Einheiten von 10 bis 200 Exemplaren.
Pilze
Es gibt sie in Mengen in den Wäldern Teneriffas, einige von ihnen sind vorzüglich und andere sehr giftig. Wir empfehlen, sie nur zu sammeln, wenn man ein Experte ist. Unter den eßbaren findet man: Boletus edulis (Kiefernwald), Suillus granulatus (Herbst), Hydnum repandum (Winter), Agaricus campestris (ausgezeichnet, im Herbst und Winter), Lactarius deliciosus (Kiefernwälder), Lactarius sanguifluus (nur gekocht eßbar), Stropharina aeroginosa (grün, Herbst und Winter), Collybia butyracea (klein, im Herbst), Tricholoma flavovirens (Kiefernwald), Lyophyllum decastes (in Grüppchen, Winter). Die sehr giftigen sind: Amanita muscaria (roter Hut mit weißen Flecken), Amanita pantherina (im Lorbeerwald), Lepiota cristata (im Herbst, scheußlicher Geruch), Clitocybe clavipes (tödlich mit Alkohol zusammen).
