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Aus Teneriffa
Zwei Kräfte haben Lanzarote geprägt: die Naturgewalten des Vulkanismus und die künstlerische Energie von César Manrique, dem zu verdanken ist, daß Lanzarote heute eine bis aufs I-Tüpfelchen durchgestylte Ferieninsel ist. Die Insel hat eine Gesamtfläche von 845 km² und die Haupstadt heißt Arrecife.
Die Umwandlung Lanzarotes vom Armenhaus zum touristischen Markenartikel ist eng mit dem Namen des Künstlers César Manrique verbunden. Der Maler und Landschaftsplaner, der 1992 an den Folgen eines Autounfalls starb, gab die entscheidenden Ideen und Impulse, nach denen seine Heimat zu einer vulkanisch- ökologischen Musterinsel herausgeputzt wurde. Einerseits sind Lanzarotes Strände tatsächlich nicht von gigantischen Ferienkomplexen verschandelt, andererseits hat das sanfte, erdverbundene Design Manriques voll den Zeitgeist der 90er Jahre getroffen - und damit die Massen erst richtig angelockt. Paradebeispiel für Manriques Stil: Jameos del Agua, ein nördlich von Arrieta gelegener Lavatunnel, mit einer unterirdischen Lagune als Blickfang.
Cueva de los Verdes, gleich in der Nachbarschaft, aber ganz anders: Bewußt wurde hier auf jeden Schnickschnack verzichtet. Bis auf die dezent aus dem Gewölbe rieselnden Klänge des Pop- Avantgardisten Brian Eno wirkt der weitläufige Höhlenkomplex authentisch, so wie man sich eine Höhle eben vorstellt. Was viele Besucher an Lanzarote fasziniert, sind die Nebenschauplätze abseits der Grotten und Miradores. Eine blendend weiß gekalkte Finca, mit maurisch anmutenden Zwiebeltürmchen. Daneben, wie hingetupft, die Silhouette einer Dattelpalme, dahinter ein schwarzer Vulkanberg. Lanzarote ist ein Erlebnis für Landschaftsästheten - am besten zu bewundern im Weinbaugebiet La Geria. In Tausenden von Minikratern werden Weinstöcke gezogen. In diesen Trichtern kondensiert das Wasser, welches die Pflanzen brauchen, und kleine Steinwälle schützen sie vor dem Passatwind. Die in den Bodegas gekelterten fruchtigen Moscatel-Weine sind exzellent, direkt beim Abfüller gekauft auch sehr preiswert.
Nur unweit vom Massentourismus entfernt liegt im Nordwesten von Lanzarote die Mini-Insel La Graciosa: die 700 Einwohner leben von dem, was das Meer hergibt - und zwar so gut, daß sie es bislang nicht für notwendig hielten, sich den Tourismus auf ihre kleine Insel zu holen. Als einzige Verbindung mit der Außenwelt läuft dreimal täglich von Orzola ein kleines Boot Caleta del Sebo an. Ist man gut zu Fuß, und nur das zählt auf La Graciosa, kann man auf staubigen Wegen die baumlose Wüsteninsel an einem Tag umrunden.
Parque Nacional de Timanfaya. Vom Flugzeug aus ist der Blick auf die Feuerberge eher ernüchternd: schroffe Vulkankegel in einer ausgeglühten Lavawüste. Kein Baum, kein Strauch weit und breit. Um so überwältigender ist dann der Bustrip auf der Ruta de los Volcanes. Eine spektakuläre Landschaft zieht vorbei, wie ein Film aus den ersten Schöpfungstagen.
Zu Recht gelten die Papagayo-Strände an der Südküste als eines der schönsten Badereviere der Kanaren. Es grenzt an ein Wunder, daß auf einer Ferieninsel wie Lanzarote diese Traumstrände von der Bebauung verschont blieben. Auf Druck von Umweltschützern erteilte man selbst potenten Investoren eine Absage. Ein großes Problem ist allerdings die unkontrollierte Zufahrt zu der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Strandzone. Mangels einer Asphaltstraße sucht sich jeder Fahrer seine eigene Route. Nur die wenigsten Autofahrer wissen um das äußerst sensible Ökosystem, in dem jede neue Fahrspur Erosionsschäden auslöst.
