Kunst
Aus Teneriffa
Skulptur
Die Tradition in Bezug auf Skulptur und Schnitzerei begann auf Teneriffa erst im 17. Jahrhundert, als der sevillanische Bildhauer Martín de Andujar auf die Insel gelangte. Einer seiner Schüler war Blas García Ravelo, aus Garachico. Als weitere Bildhauer und Schnitzer des 17. und 18. Jahrhunderts sind zu nennen Rodríguez de La Oliva, Lázaro González, Sebastián Fernández und vor allem Fernando Estévez de Sacramento, der in La Orotava geboren wurde und Schüler von Luján Pérez, aus Gran Canaria, war. Er hinterließ eine ausgezeichnete Kollektion von Bildnissen, die in zahlreichen Kirchen Teneriffas zu finden sind, wie etwa in der Basilika von Candelaria, in der Kirche de La Concepción in La Laguna, und in La Orotava. Unter den Bildhauern sind heutzutage besonders José Abad (La Laguna, 1942) und auch José Luis Fajardo und Fernando Garciarramos hervorzuheben.
Geschichte und Literatur
Die epische Dichtung fand ihren besten Ausdruck auf Teneriffa während des 16. und 17. Jahrhunderts. Hervorzuheben ist in dieser Hinsicht Antonio de Viana, der im 16. Jahrhundert in La Laguna geboren wurde, und dessen berühmtes Gedicht Antigüedades de las Islas Afortunadas (Altertümer der Glückseligen Inseln) ein begeistertes Loblied auf die kanarischen Ureinwohner darstellte. Im 18. Jahrhundert – der sogenannten Aufklärung – traten folgende Persönlichkeiten auf Teneriffa besonders hervor: José Viera y Clavijo (Realejo Alto, 1731 – Las Palmas, 1813). Es handelt sich um eine außerordentlich wichtige Figur der Aufklärung, mit einer Ausbildung, die die verschiedensten Wissenszweige umfaßte. Er schrieb, unter anderem, die "Notizen über die allgemeine Geschichte der Kanarischen Inseln" und den Diccionario de Historia Natural de Las Islas Canarias (Enzyklopädie der Naturgeschichte der Kanarischen Inseln). Tomás de Iriarte (Puerto de La Cruz, 1750 – Madrid, 1791). Er genoss die Unterstützung seines Onkels, Juan de Iriarte, Mitschüler von Voltaire und Direktor der Königlichen Bibliothek von Madrid. Er ist weltweit bekannt als Autor der Fabulas Literarias (Literarische Fabeln), und war zu Lebzeiten Direktor der Zeitung Mercurio Histórico y Político de Madrid. Seine Brüder, Bernardo und Domingo, waren Persönlichkeiten mit großem Einfluß auf der politischen und kulturellen Szene. Weitere bedeutende Figuren im Bereich der Literatur waren: Angel Guimerá y Jorge (Santa Cruz de Tenerife, 1845 – Barcelona, 1924). Großer Dichter und dramatischer Autor, der als der Vater des katalanischen Theaters angesehen wird, und unter dessen Werken vor allem Tierra Baja (Niedriges Land), Mar y Cielo (Meer und Himmel) und La Hija del Mar (Die Tochter des Meers) hervorzuheben sind. Mercedes Pinto (Santa Cruz de Tenerife, 1885 – Mexiko, 1979). Romanschriftstellerin und Dichterin. Einer ihrer Romane hatte den Titel El (Er), und wurde von Luis Buñuel verfilmt. Sie ist auch die Autorin von Brisas del Teide (Brisen des Teide) (Verse) und Ella (Sie) (Prosa). Domingo Pérez Minik (1903-1989). Er wurde in Santa Cruz de Tenerife geboren, und war einer der bedeutendsten Literaturkritiker. Es wurden ihm der Nationalpreis für Theater und der Preis für Literatur der Kanarischen Inseln verliehen.
Musik
Im Bereich der Musik tritt die Figur von Teobaldo Power y Lugo Viña (Santa Cruz de Tenerife, 1848 – Madrid, 1884)hervor. Schon von klein auf zeichnete er sich durch sein Virtuosentum am Klavier und als Komponist aus. Nach einer Etappe in Europa und Havanna komponierte er, unter anderen Werken, die berühmten Cantos Canarios (Kanarische Lieder), ein wichtiges, für die Kultur der Inseln unabkömmliches Musikstück, besonders, weil dieser Musiker der einzige war, der volkstümliche kanarische Lieder aufgriff, und sie mit Geschick an klassische Stücke anpaßte. In Madrid bewarb sich Power mit Erfolg um den Lehrstuhl für Klavier an der Nationalen Schule für Musik und den Posten des Organisten der Königlichen Kapelle.
Malerei
Das erste Zentrum von Teneriffa, was Malerei betrifft, war La Laguna, wo schon im Laufe des 16. Jahrhunderts einige Maler zu verzeichnen waren; später kamen weitere Orte, wie La Orotava, Garachico, Puerto de La Cruz und Santa Cruz hinzu. Und genau aus La Orotava stammten die zwei kanarischen Maler, die für die besten des 17. Jahrhunderts gehalten werden: Gaspar de Quevedo und Cristóbal Hernández de Quintana, deren Werke zahlreiche Kirchen der Insel schmücken. Im Jahre 1775 wurde in Puerto de La Cruz Luis de La Cruz y Ríos geboren; er wurde Kammermaler von Ferdinand VII., war ein ausgezeichneter Miniaturenmaler, und erlangte großen Ruhm am Hof, wo er als Der Kanarier bekannt war. Bilder von ihm sind in der Kirche von Nuestra Señora de La Peña de Francia, in Puerto de La Cruz, zu sehen. Der Maler Valentín Sanz, der 1849 in Santa Cruz de Tenerife geboren wurde, war der erste kanarische Landschaftsmaler; im Museum für Schöne Künste von Santa Cruz sind Werke von ihm zu bewundern, wie zum Beispiel El Paisaje de La Laguna (Die Landschaft von La Laguna). In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gingen Realismus und Impressionismus einher mit der Romantik, die noch in den Werken einiger Maler gegenwärtig war. Für die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Juan Rodríguez Botas (1880-1917) zu nennen; es handelt sich um den ersten kanarischen Impressionisten, und seine Gemälde sind im Städtischen Museum von Santa Cruz zu sehen. Er lag in der Linie von Valentín Sanz, aber mit seiner eigenen impressionistischen Optik. Was die Expressionisten betrifft, so muss man Mariano de Cossio (1890-1960) erwähnen, von dem einige Freskenmalereien in der Kirche von Santo Domingo, in La Laguna, erhalten sind. Als Meister der Aquarelle, wo er sogar Schule machte, erscheint Francisco Bonnín Guerín (Santa Cruz de Tenerife, 1874-1963), zu dessen Werk zahlreiche ländliche Landschaftsgemälde gehören. Einer der universellsten kanarischen Maler ist zweifelsohne Oscar Domínguez (La Laguna, 1806 – Paris, 1957), ein Surrealist, der ein bedeutendes und äußerst persönliches Werk hinterließ. Was die gegenwärtigen Künstler angeht, so kann man unter anderem Pedro González (La Laguna,1927) hervorheben, einen Maler, der Dozent an der Fakultät für Schöne Künste ist.
Hervorragende Persönlichkeiten
Bencomo, Mencey (König) von Taoro, der die Streitkräfte der Guanchen anführte, die sich der Eroberung widersetzten. Er starb im Jahre 1495, während der Auseinandersetzungen mit den Truppen des Statthalters. Bei dem letzten Kampf der Armee von Alonso Fernández de Lugo musste dieser gegen die Guanchen antreten, die von einem Sohn von Bencomo, Bentorey (Bentor) angeführt wurden, welcher es vorzog, sich das Leben zu nehmen, als er besiegt wurde. Ein Enkel von Bencomo, der mit dem Namen Cristóbal Hernández de Taoro (Cristóbal Bencomo) getauft wurde, studierte auf dem Festland Jura, und verfasste eine inzwischen verloren gegangene Chronik der Geschichte des Volkes der Guanchen.
Dácil, eine Prinzessin der Guanchen und eine legendäre Figur, die von dem Gelehrten Antonio de Viana in seinem Werk La Conquista de Tenerife (Die Eroberung von Teneriffa) (1604) erwähnt wird; ihre Liebe zu dem Hauptmann Gonzalo del Castillo symbolisiert die Normalisierung der neuen Gesellschaft der Insel, als Grundlage der historischen Identität von Teneriffa.
José de Anchieta (La Laguna, 1534 – Brasilien, 1597), studierte bei den Jesuiten in Coimbra (Portugal), trat im Jahre 1551 in diesen Orden ein, und begab sich 1553 nach Brasilien. Er weihte die Schule von San Pablo ein, ein Zentrum, um das herum sich die Stadt Sao Paulo entwickelte. Es handelt sich um einen der frühesten und bedeutendsten Autoren des kolonialen Brasiliens. Er schrieb auf Portugiesisch, Latein und Tupi (Sprache der eingeborenen Tupinambos). Besonders interessant sind seine Grammatik des Tupi, und mehrere dramatische Mysterienspiele und Gedichte. Er wurde am 20. Juni 1980 von dem Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
Pedro de Betancur (Vilaflor, 1626 – Guatemala, 1667). Mit 23 Jahren brach er nach Amerika auf. Er lebte zunächst in Kuba, und ließ sich später in Guatemala nieder. Er gründete den Orden der Bethlehemiter, der eine wichtige Hospitaliter-Tätigkeit ausübte, und die erste religiöse Kongregation war, die in Amerika entstand. Der Orden wurde 1672 von dem Papst Klemens X. gebilligt. Betancur wurde 1980 von dem Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.
Alonso de Nava y Grimón, VI. Marquis von Villanueva del Prado (La Laguna, 1756 – 1832) war der Gastherr der Tertulia de Nava (Kreis von Nava), Treffpunkt der hervorragendsten Persönlichkeiten der Aufklärung auf den Kanarischen Inseln, und leitete die Real Sociedad Económica de Amigos del País (Königliche Wirtschaftsgesellschaft der Freunde des Landes) von Teneriffa. Im Jahre 1808 wurde er Präsident des Hohen Rates der Kanarischen Inseln.
Leopoldo O'Donnel y Jorris, Herzog von Tetuan und Graf von Lucena (Santa Cruz de Tenerife, 1809 – Biarritz, Frankreich, 1867). Er war während drei Perioden der Herrschaft von Isabella II. Staatschef und auch Kriegsminister. Außerdem sind ihm bedeutende militärische Erfolge zu verdanken, besonders im Afrikakrieg 1859 – 1860.
Juan Bautista Antequera y Bobadilla (Santa Cruz de Tenerife, 1823 – Madrid, 1890), Vizeadmiral, Minister der Marine und Senator für Teneriffa auf Lebenszeit, ragte als Seemann in der Kampagne des Pazifiks hervor, und gehörte der Mannschaft der Numancia an, des ersten Panzerschiffs, das die ganze Welt umfuhr.
Wissenschaft und Technik
Agustín de Betancourt (Puerto de La Cruz, 1758 – Sankt Petersburg, 1828). Er war Ingenieur, und seine Ausbildung erfolgte in Madrid und Paris. Im Jahre 1802 gründete er in Madrid die Schule für Tiefbauingenieure, deren Direktor er wurde. In Paris leitete er das Königliche Maschinenkabinett. 1807 begab er sich nach Rußland, wo er von dem Zar Alexander I. zum Feldmarschall und Leiter des Instituts der Straßenbauingenieure ernannt wurde. Ab 1819 belegte er die Generaldirektion der Abteilung für Straßen des russischen Kaiserreichs. Er entwarf und baute Dampfbote und verfaßte zahlreiche Projekte zur Planung von Fabriken sowie die erste Bogenbrücke Rußlands.
Antonio González González (Los Realejos, 1917-2002). Professor für Organische Chemie und Biologie an der Universität von La Laguna von 1946 bis 1986. Der Hohe Rat für Wissenschaftliche Forschung ernannt ihn 1945 zum Leiter der Abteilung für Organische Chemie. 1963 wurde er Direktor des Instituts für Chemische Forschung von Teneriffa. Dieses Zentrum war der Vorläufer des Instituts für Natürliche Organische Produkte, und machte auf internationalem Niveau, vor allem in Iberoamerika, Schule. Der König Juan Carlos I. nominierte ihn 1977 als Senator. Es wurden ihm der Preis der Kanarischen Inseln für Forschung (1984) und der Preis Prinz von Asturien verliehen (1986).
Telesforo Bravo Expósito(Puerto de la Cruz 1913 - 2002). Telesforo Bravo Expósito war einer der führenden kanarischen Wissenschaftler, sei es in Bezug auf seine Forschungen, seine Lehrtätigkeit oder seine Veröffentlichungen. Seine Doktorarbeit an der Universidad Complutense von Madrid wurde mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Nach einer Zwischenetappe im Kanarischen Museum von Las Palmas de Gran Canaria begann er seine außerordentlich fruchtbare Tätigkeit als Professor für Petrologie an der Universität La Laguna, nachdem er 1966 den Lehrstuhl bekommen hatte. Er unterrichtete eine Vielzahl von Studenten unterschiedlicher Fakultäten, so der Grundschulpädagogik, der Biologie, der Pharmazeutik und der Geografie. In Folge seiner umfassenden Tätigkeiten gehörte Telesforo Bravo zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen an, sei es als ihr Leiter, Mitglied oder Ehrenmitglied. Sein Schaffen fand auch hohe gesellschaftliche Anerkennung. So erhielt er 1998 den Kanarischen Forschungspreis und im Jahr 2000 den Preis César Manrique für Umwelt.
